Ich mochte die ursprüngliche Idee von Airbnb.
Man wohnte bei einer Familie, bekam einen Schlüssel und vielleicht den Tipp, wo die gute Bäckerei ist.
Familienanschluss nannte man das früher.
Während meiner Studienzeit hatte ich mir einmal ein Zimmer bei einer Familie gemietet, in Paris.
Mein Französisch war rudimentär.
Wir haben viel gelacht, vielleicht auch deshalb.
Irgendwann erkannten Vermieter, dass sich das skalieren lässt.
Seitdem gibt es welche mit zwölf Wohnungen.
Aus dem freien Zimmer wurde eine Anlageklasse.
Bei uns im Haus, in Berlin, merkt man das.
In einer Wohnung wechseln ständig die Nachbarn.
Manchmal hat man Glück, dann ist es still.
Manchmal verlängert sich das Berliner Nachtleben einfach dorthin.
In Japan hat mir vor kurzem mein Freund von dem Minpaku-Gesetz erzählt. Seit 2018 ist es Vermietern gestattet, bis zu 180 Tage im Jahr an Touristen zu vermieten. Die Tourismusbehörde hielt Einschränkungen lange für eine schlechte Idee. Jetzt hat sich der Wind gedreht.
Gemeinden dürfen die Tage künftig auf null setzen, die Beschwerden der Anwohner häuften sich. Dabei setzt Japan ja eigentlich auf die Tourismuskarte. 2025 kamen über 40 Millionen Besucher, das Ziel sind 60 Millionen in 2030. Und trotzdem dürfen Gemeinden jetzt sagen, bei uns nicht.
Ich musste sofort an unser Treppenhaus denken.
An das Klingelschild, an dem immer derselbe Name steht, während die Gesichter wechseln.
Ohne Familienanschluss.