Als ich vor kurzem in Tokio in einem Taxi saß, trug der Fahrer weiße Handschuhe.
Weiße Handschuhe!
Sein schwarzer Anzug saß makellos, das Auto roch nach gar nichts.
Nach Perfektion.
Er verbeugte sich leicht, als ich einstieg. Sagte kein Wort während der ganzen Fahrt.
Ich fühlte mich wie ein Kaiser.
Als ich dann wieder nach Hause nach Berlin kam, schaute mich der Taxifahrer, graue Schläfen, müde Augen, im Rückspiegel an und sagte:
„Baustelle vor Haus. Können da nicht parken.“
„Komm“, sagte er und stieg aus. „Ich helfe.“
Er schleppte mein Gepäck 50 Meter bis zum Hauseingang.
Einfach so.
Ich stand da mit meinem Handgepäck und wusste nicht, was ich sagen sollte.
Sein Auto roch nach Vanille-Duftbaum.
Er trug keine weißen Handschuhe und er verbeugte sich auch nicht.
Aber welche Geschichte werde ich wohl auf SocialMedia posten?
Der Japaner mit den weißen Handschuhen? Perfekt für SocialMedia.
„So geht Service!“ 2.000 Likes.
Der Berliner, der mein Gepäck schleppt?
Erzähle ich vielleicht meiner Frau. Vielleicht.
Nur das eine funktioniert auf SocialMedia.
Also nehme ich das Bild mit den weißen Handschuhen.