Kaizen ist durch. Ikigai ist durch. Jetzt also Ma.

Japanische Begriffe machen in bestimmten Kreisen gerade Karriere.
Ich selbst mache da übrigens mit, wenn es der Aufmerksamkeit dient.
Das nur nebenbei.

Erst kam Kaizen, dann Ikigai, Kintsugi, Shinrin-yoku, Wabi-Sabi und viele mehr.

Jetzt arbeitet sich Social Media an dem japanischen Wort Ma (間) ab, dem Zwischenraum, der Pause, in der angeblich etwas wirken kann.

Für Redner, oder neudeutsch Keynote-Speaker, wie mich, eigentlich eine ganz brauchbare Entwicklung.

Ich stehe seit einigen Jahren beruflich als Redner auf Bühnen und ich erinnere mich, wie einst mitten im Satz der Gedanke weg war.
Einfach weg.
Gefühlt vergingen drei Wochen, bis er zurückkam, in Wirklichkeit waren es wohl ein paar Sekunden.

Das war vor der großen Ma-Welle.
Hätte damals auch einfach auf Ma verweisen können.
Gemacht hab ich es trotzdem nicht, aus einer Art Restanstand.
So rede ich es mir zumindest ein.

Gesagt habe ich damals nur Äh, mit Blick zur Decke, wo der Text auch nicht stand, und dann irgendwie doch weitergemacht, ohne dass ich im Nachhinein hätte sagen können, wie genau.

Japanische Begriffe lassen sich ziemlich dehnen, aber aus einem Blackout jetzt Ma zu machen, wäre selbst mir zu bemüht.
Was mir in solchen Situationen immer geholfen hat, ist die Stille aushalten und warten.

Wer will, darf solche Situationen auch gerne Ma nennen.
Stimmt zwar nicht, klingt aber schlau, und in bestimmten Kreisen kommt das gut an.

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Michael Okada

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