Klaus-Michael Kühne ist gestorben. 89 Jahre alt, einer der wohlhabendsten Deutschen. Ohne Nachkommen.
Mein erster Gedanke dazu ist mir immer noch ein wenig peinlich, aber wer erbt das jetzt alles?
Ich erinnerte mich dann an etwas, das ich vor einer Weile gelesen hatte.
Über 46.700 japanische Firmen sind älter als hundert Jahre, einige sogar über tausend. Mehr als irgendwo sonst auf der Welt.
Typisch japanisch, dachte ich.
Starke Familienbande, die Firma als heiliges Erbe, vom Vater auf den Sohn. Stimmte sogar, nur nicht so, wie ich dachte.
Dann las ich, was japanische Familienunternehmen tun, wenn der passende Sohn fehlt. Ich las den Satz gleich noch einmal, sicherheitshalber.
Man adoptiert den Nachfolger.
Nicht im Kindesalter.
Einen erwachsenen Mann.
Der bekommt dann einfach den neuen Namen, amtlich, und irgendwann auch den Chefsessel.
Osamu Suzuki beispielsweise. Ja, genau der Suzuki.
Eigentlich hieß er Matsuda, heiratete in die Suzuki-Familie ein und wurde dann auch gleich adoptiert. Er war bereits der vierte adoptierte Nachfolger an der Spitze des Autobauers.
Bei uns sieht es ähnlich aus.
Laut IHK suchten zuletzt rund 9.600 Unternehmer einen Nachfolger. Nur gut 4.000 Menschen interessierten sich dafür.
Im IHK-Bericht kommt Adoption als Alternative übrigens nicht vor.
Ich habe nachgesehen.
Mein Vater hatte kein Unternehmen.
Gut so, denke ich manchmal.
Sonst wäre mein Freund Frithjof heute mein Bruder.