Die neuen PISA-Zahlen sind erschreckend

Überraschen sollten sie nicht.

Vor fünf Jahren lernte ich eine japanische Familie kennen, die gerade nach Berlin gezogen war. Ihr Sohn war elf.

Der Junge landete in einer Willkommensklasse.
Ein Lehrer für dreißig Kinder, alle mit sehr überschaubaren Deutschkenntnissen.
Den Lehrer erlebte ich als engagiert, aber auch überfordert.
Den Kindern Deutsch beibringen und sie gleichzeitig so unterrichten, als könnten sie es schon.
Bemerkenswerte Reihenfolge.

Irgendwann begann ich, dem Jungen Nachhilfe zu geben.
Deutsch, Englisch, Geschichte. Mathematik übernahm seine Familie.
Zum Glück.
Meine mathematischen Fähigkeiten hätten PISA noch weiter belastet.

Seine Eltern kümmerten sich sehr um ihn und seine Bildung. An mangelnder Unterstützung von zu Hause hat es also nicht gelegen.

Einmal saßen wir an einer Geschichtsaufgabe. Und er verstand sie einfach nicht.

Satz für Satz lasen wir den Text gemeinsam. Es waren nur wenige Wörter, die ihm den Weg versperrten. Nachdem wir sie geklärt hatten, war die Aufgabe auf einmal gar nicht mehr so geheimnisvoll.

Heute ist er 16. Sein Deutsch ist besser geworden, aber schwächer, als ich es nach fünf Jahren erwartet hätte.

Wenn ich heute die PISA-Debatte verfolge, tauchen schnell die üblichen Verdächtigen auf: Social Media, Disziplin, Eltern, Leistungsbereitschaft.
Alles wahrscheinlich nicht völlig falsch.

Nur eine Frage höre ich dabei selten: Was wir unseren Schulen in den vergangenen Jahren eigentlich zugemutet haben.

Ideen für
eine bessere
Zukunft

Michael Okada

Tickets kaufen