Vermutlich in den Augen unseres Bundeskanzlers.
Die Japaner, die man sich landläufig so gerne vorstellt, arbeiten viel und klagen nicht. Den Begriff „Work-Life-Balance“ haben sie schon einmal gehört, aber vorstellen können sie sich darunter nichts.
„Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten“, sagte Friedrich Merz. Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance lasse sich unser Wohlstand nicht erhalten.
Vielleicht wäre Merz lieber Regierungschef in Japan.
Die Stelle ist allerdings besetzt.
Aber vielleicht ließe sich eine Doppelspitze einrichten.
Beim Thema Arbeitszeit gäbe es jedenfalls keinen Koalitionsstreit.
Für den Tod durch Überarbeitung, Karoshi, hat Japan sogar ein eigenes Wort. So ein Wort erfindet man nicht ohne Grund.
Japan war auch nicht stolz darauf.
Und machte mit der Arbeitszeitreform von 2018 aus den bisherigen Richtwerten verbindliche Grenzen: grundsätzlich 45 Überstunden im Monat und 360 im Jahr.
Das ist ungefähr eine zusätzliche Arbeitswoche, wobei auch der japanische Kalender dafür keinen zusätzlichen Monat vorsieht.
Seit dem 1. September wird diese Grenze wieder großzügiger gehandhabt.
Für Unternehmen mit einer zulässigen Sondervereinbarung sollen Arbeitsinspektoren nicht mehr grundsätzlich darauf drängen, dass es bei höchstens 45 Überstunden im Monat bleibt.
Premierministerin Sanae Takaichi begründet die Lockerung mit dem Arbeitskräftemangel.
Wer länger arbeiten wolle, dürfe das selbstverständlich.
Selbstverständlich auf freiwilliger Basis.
Wenn ich Freunde in Japan besuche, ist es dennoch oft erstaunlich schwierig, überhaupt einen gemeinsamen Abend zu finden.
Wir vergleichen unsere Kalender, als planten wir einen Staatsbesuch.
Dabei wollen wir nur zusammen essen.
Vielleicht würde Friedrich Merz die Japaner tatsächlich mehr mögen als uns Deutsche.
Das macht mich ein wenig traurig.
Für die Japaner.