Ich wollte neulich Socken kaufen

Wir sind an einem Galeria vorbeigegangen.

Ich habe gesagt, da könnten wir doch reingehen.
Meine Frau hat mich nur angeschaut.

Wir haben die Socken woanders gekauft.

Ich habe dann gelesen, dass Galeria in vier Jahren dreimal Insolvenz angemeldet hat. Von über 170 Häusern sind nur noch weniger als 90 übrig.
Laut Medienberichten wurden alle 83 Vermieter im April 2026 wieder um Mietstundung gebeten.

Bain Capital sprang mit einem Notkredit ein, dennoch halten Handelsexperten eine vierte Insolvenz für realistisch.

In Tokio, lese ich dann, melden die Kaufhäuser Isetan, Takashimaya und Mitsukoshi aktuell Rekordumsätze.

Immer wenn ich dort bin, gehe ich sofort zu Mitsukoshi auf der Ginza.
Auch wenn ich keine Socken brauche.

Ich stehe da und bin fasziniert.
Das Licht. Die Innenarchitektur. Ja, sogar der Geruch.

Und die Präsentation der Produkte erinnert mich mehr an Kunstausstellungen. Sehr minimalistisch, aber gleichzeitig an visueller Opulenz nicht zu überbieten.

Im Untergeschoss Erdbeeren im Frühling, Kastanien im Herbst, so verpackt, als sei die Verpackung das Eigentliche.

Manchmal kaufe ich auch Dinge, die keine Geschenke sind.
Nur um zuzuschauen, wie kunstvoll sie eingepackt werden.
Wenn ich die Verpackung dann später entfernen (muss), bricht es mir fast das Herz.

Aber auch in Japan schließen Kaufhäuser. Das mittlere Segment stirbt, vor allem in der Provinz ist das unübersehbar.

Beim nächsten Tokio-Aufenthalt gehe ich wieder zu Mitsukoshi. Socken kann man immer gebrauchen.

Ideen für
eine bessere
Zukunft

Michael Okada

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