Berlin hat ein neues Tourismusangebot

Müllsammeln. Mit Museumsticket.

Die Häme kam schnell. Wie immer.

Auf dem Bild stehe ich in Tokio vor einer Raucherbox. So eine, wie man sie sonst nur von Flughäfen kennt. Und auf dem Boden davor: nichts. Keine Kippe. Nicht eine.

Und das in einer der größten Metropolregionen der Welt, die seit 1995 erstaunlich wenige öffentliche Mülleimer hat. Sie wurden nach einem Terroranschlag abgebaut.

Wenige Eimer. Kaum Müll.

Ich mag Mülleimer. Sehr sogar. Es hat mich regelmäßig genervt, mit einer leeren Flasche durch Tokio zu laufen, weil weit und breit keiner zu finden war.

Ich stelle mir vor, wie das in Berlin wäre. Alle Mülleimer weg. Einfach so. Über Nacht.

Ich denke das nicht zu Ende.

Dann lese ich, dass Tokio ab Juni Ordnungskräfte an Touristen-Spots schickt.

Wer Müll fallen lässt, zahlt sofort 2.000 Yen, etwa 12 Euro. Weil Touristen kommen. Und die Spielregeln nicht kennen.

Ungeschriebene Regeln funktionieren nur, solange alle wissen, dass es sie gibt. Tokio lernt das gerade. Berlin weiß das seit Jahrzehnten.

Ich stehe vor dieser Raucherbox und schaue länger auf den Boden, als man auf einen Boden schauen sollte.

Ich rauche nicht mal.

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Michael Okada

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