An Einigkeit fehlt es Europa nicht.

An Ernst schon.

Wir haben die Institutionen. Wir haben den guten Willen.
Was wir nicht haben: das Gefühl, dass es jetzt darauf ankommt.

In Asien haben sie dieses Gefühl.
Denn dort ist gerade etwas geschehen, das ich für unmöglich gehalten hätte.

Sanae Takaichi, Japans Regierungschefin von der harten Rechten, und Lee Jae Myung, Südkoreas linker Präsident. Die beiden sitzen nebeneinander und trommeln zu BTS, der koreanischen Boyband.
Anschließend besuchen sie einen Tempel.

Medieninszenierung? Definitiv.
Aber dahinter steckt etwas Ernstes.

Die Geschichte ihrer Länder ist voller Wunden, die nicht verheilt sind. Die japanische Besatzung Koreas, die Demütigungen, der Streit um Inseln, um Erinnerung, um Schuld.

Noch vor einem Jahr wäre dieses Treffen undenkbar gewesen.

China hat es jetzt möglich gemacht.

Aber nicht durch Vermittlung, eher durch Druck.
Peking wollte die beiden Länder auseinandertreiben.
Japan wurde bedroht und Südkorea umworben.
Hat aber nicht funktioniert.

Japan und Südkorea haben ihre Differenzen nicht beigelegt.
Sie haben sie zurückgestellt.
Sie haben erkannt, dass die Verletzungen der Vergangenheit sie nicht vor den Bedrohungen der Gegenwart schützen.

Wir wissen, was wir wollen.
Die Frage ist, ob wir wissen, wo wir stehen.

Vielleicht braucht Europa erst seinen eigenen China-Moment.
Aber vielleicht haben wir ihn schon längst und ignorieren ihn.

Ideen für
eine bessere
Zukunft

Michael Okada

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