Ein paar Kilometer. Das ist alles, was zwischen mir und der Dunkelheit liegt.
Ich wohne in Berlin. Meine Freunde in Zehlendorf sitzen seit Samstag ohne Strom. Keine Heizung, kein warmes Wasser, kein Handyempfang.
Ich?
Ich sitze in meiner warmen Wohnung und schreibe das hier.
Zufall.
Vor kurzem war ich in Japan. Im Zug wird nicht telefoniert. Müll wird mitgenommen. Auf der Rolltreppe bleibt eine Seite frei. Diese stille Rücksichtnahme, ich dachte, das gibt es nur noch dort.
Und dann sehe ich Zehlendorf.
In den Notunterkünften teilen Menschen Decken, Powerbanks, warmen Tee. Nachbarn klopfen bei Nachbarn und fragen, ob Hilfe gebraucht wird. Kirchengemeinden vermitteln Schlafplätze. Fremde bieten anderen ihre Wohnungen an.
Die gleichen kleinen Gesten, die ich aus Japan kenne, hier, in meiner Stadt.
Berlin sitzt im Dunkeln. Aber was ich sehe, macht mich stolz: Menschen, die füreinander da sind.
Das ist das Berlin, in dem ich leben will.