Ich stehe gerade auf dem Weihnachtsmarkt und bin verwirrt.
Glühwein. Bratwurst. Lebkuchen.
Alles da.
Die Verkäuferin reicht mir den Becher mit beiden Händen.
Lächelt. Wirklich.
Kein Müll.
Keine Hektik.
Und niemand schubst.
Aber ich bin in Tokio.
Und dieser Weihnachtsmarkt ist besser als jeder Weihnachtsmarkt in Deutschland.
Das ist kein Witz. Das ist ein Problem.
Wir Deutschen erzählen gern von unseren Weihnachtsmärkten.
Von Tradition und Gemütlichkeit.
Aber wenn man dann da steht, zwischen klebrigen Tischen und dem Geruch nach altem Fett, fragt man sich: Was mache ich hier eigentlich?
Die Japaner haben nachgebaut, was wir erfunden haben.
Und sie haben sich dabei offenbar gefragt, was Menschen hier erleben wollen.
Wir fragen uns das schon lange nicht mehr.
Schade eigentlich.
Denn auf diesem Weihnachtsmarkt in Tokio habe ich etwas gespürt, das ich in Deutschland lange nicht mehr gespürt habe:
Den Wunsch zu bleiben.