Die Frage, die mich bloßstellte

Mein Neffe aus Japan hat mich kalt erwischt.

„Was waren die drei besten Nachrichten aus Deutschland 2025?“

Ich stockte.
Nicht weil ich uninformiert bin.
Weil mir nichts einfiel.

Mein Kopf ist voll. Krisen, Skandale, Streitthemen.

Aber das Gute? Nichts.

Und das erschreckt mich.
Nicht die Welt ist das Problem.
Meine Aufmerksamkeit ist das Problem.
Und das ist kein Zufall.

Algorithmen belohnen Negativität.
Medien wissen: Angst bindet Aufmerksamkeit besser als Hoffnung.
Und wir selbst glauben oft: Wer nicht empört ist, hat nicht verstanden.

Dabei ist diese Haltung nicht klug.
Sie ist faul.
Es ist intellektuell anspruchslos, alles schlechtzureden.

Es kostet keine Mühe, sich zu empören.
Das kann jeder.
Der wahre Aufwand besteht darin, differenziert hinzuschauen.

In Japan sagt man „Ganbatte“, bleib fokussiert, gib nicht auf.

Aber worauf fokussieren wir uns eigentlich?
Auf das, was kaputt ist, oder auf das, was wir aufbauen könnten?

Ich sage nicht, dass wir Probleme ignorieren sollen.
Ich sage aber: Wenn ich nicht mehr erkenne, was funktioniert, habe ich ein Problem.

Mein Neffe wartet noch auf seine Antwort.
Ich schulde sie ihm.

Nicht aus Höflichkeit.
Weil seine Frage mir gezeigt hat: Ich habe ein Problem.

Und ich bin nicht der Einzige.

Ideen für
eine bessere
Zukunft

Michael Okada

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